Arbeitszeit eines deutschen Hochschullehrers
20. Januar 2012
Wenn die Arbeitszeit-Verteilung eines deutschen Hochschullehrers interessiert: hier meine Prozentzahlen für 2011. Die Zahlen entstehen aus der Notwendigkeit, bei der Beteiligung an EU-Projektes im FP7 einen Stundenzettel zu führen. Ist aber auch zur Selbstanalyse recht interessant.

Anmerkung 1: Prozente Arbeitszeit != Prozente Nervenaufwand.
Anmerkung 2: Doktoranden werden insbes. im Kontext Projekte betreut.
Net!Works – Research oder Product Development ?
5. Oktober 2011
Am 5.10.2011 hatte Net!Works ein general assembly in Brüssel, mit mehreren Vorträgen von Mitgliedern der EC (head of unit, project officers, …) und von unterschiedlichen Firmenvertretern.
Nun ist natürlich klar, dass solche Veranstaltungen und Gruppen wie Net!Works natürlich Lobby-Gruppen sind, die dazu da sind, möglichst nahe an die Fleischtöpfe der Förderung zu kommen. Das gilt für Firmen wie Universitäten und ist ja auch nichts ehrenrühriges.
Interessant aber, wie oft sehr spannende Themen hier vorgestellt wurden – insbes. ICT meets transport, ICT meets smart grids – die eine erhebliche Entwicklungsanstrengung bedürfen und sicherlich auch sehr spannende Produkte hervorbringen werden. Nur: Forschung ist davon wenig bis nichts.
Für die Firmen ist das ja auch völlig angemessen. Es ist nur schade, dass sich die Unis hier wieder massiv prostituieren werden, um Drittmittel einzuwerben, anstelle Forschung zu betreiben.
Forschungsantragsbegutachtung
5. Oktober 2011
Anträge für Forschungsprojekte zu begutachten ist eine gute Gelegenheit, erheblichen Schaden anzurichten. Ein Kollege aus der Humangenetik hat das sehr schön zusammengefasst: Eine Anleitung für junge Gutachter.
http://www.spiegel.de/unispiegel/jobundberuf/0,1518,787062,00.html
Der Papst, der Papst, …
25. September 2011
… über diesen Herrn wurde in den letzten Woche ja reichlich geschrieben; leider auch viel seltsames. Einer der besseren Artikel ist hier:
http://www.zeit.de/2011/39/Papst-Krise
Web und Kontrollverlust
15. April 2011
Im Deutschlandfunk-Interview heute morgen (15. April 2011) sagte Thomas Augstein heute morgen sinngemäß, dass man, wenn man sich ins als Institution/politik/Medien ins Web beginnt, man keine Angst vor Kontrollverlust haben darf. Sehr wahr. Ich frage mich, ob das auch den ganzen Forschungsprojekten und Hochschulen klar ist, die derzeit Web 2.0 und soziale Medien und … als Marketing-Instrumente und ausprobieren.
Zu einem Artikel in der Süddeutschen (Scheinheilige Professoren) hatte ich folgenden Beitrag geschrieben, den ich hier gerne mit archivieren möchte:
Der Beitrag unterschätzt meines Erachtens einen wichtigen Grund für diese Doktroanden/Assistenten-Ausnutzung: die Art und Weise, wie wichtige Geldgeber (DFG vor allem, auch DFG, EU, …) arbeiten. Dort wird letztlich Personenkult betrieben, und die Qualität einer Arbeitsgruppe an der Qualität des Professors festgemacht. Wenn ich einen Antrag an die DFG schicke, dann muss ich dort bisherige Vorarbeiten darlegen. Es nützt gar nichts, wenn das tolle Paper sind aus meiner Arbeitsgruppe, von meinem Doktoranden gemacht, aber mein Name nicht auf dem Paper steht. Obwohl allen klar ist, dass der Professor nicht die Arbeit macht, wird an dieser Person die Kontinuität fest gemacht.
sprich: ich werde de facto durch die Förderinstrumente gezwungen, meinen Namen auf Papers zu schreiben, an denen ich bestenfalls durch Diskussion mit Doktoranden beteiligt war oder Korrektur gelesen habe. Schön ist das nicht, aber so ist die Realität.
Schönen Gruß,
H. Karl
PS: den DHV nehme ich seit der Guttenberg-Affäre nicht mehr Ernst; ich bin da ausgetreten.
Dolchstoßlegende
3. März 2011
Horst Seehofer strickt fleißig an einer Dolchstoßlegende für den Lügenbaron (z.B. FAZ-Bericht). Insbesondere greift er Schavan und Lammert scharf an. Das ist selbst für einen CSU-Politiker schäbig und vermutlich auch kontraproduktiv. Haben doch die beiden (nebst Bömer, Biedenkopf und wenigen anderen) ein wenig der Würde der Union wiedergewonnen.
Es ist wirklich schade, dass sich eine honorige Partei wie die Union derart auf einen Blender verlassen hat, dass ein tiefgreifender Realitätsverlust stattgefunden hat.
Bildungsfeindliche Union
22. Februar 2011
Schade, dass sich die Union in der reflexhaften Verteidigung ihres Verteidigungsministers so sehr in die bildungs- und forschungsfeindliche Ecke stellt. Die fortlaufenden Beleidigungen ehrlicher akademischer Arbeit sind bestürzend.
Ein interessanter Kulturkampf zeichnet sich ab. Die Union opfert die Bildungsrepublik, um einen Franken zu behalten.
Guttenborgen!
20. Februar 2011
Ich schlage Herrn Guttenberg als Schöpfer des Wortes des Jahres 2011 vor: Guttenborgen.
Später wird in Lexika stehen:
Guttenborgen bezeichnet eine durch den damaligen Verteidigungsminister in die tägliche akademische Arbeit eingeführte Praxis, Inhalte anderer ohne Nennung zu nutzen und als eigene Leistung auszugeben. Durch diese Innovation wurde die deutsche Hochschullandschaft endlich in die Lage versetzt, zu internationaler Effizienz bei der Erstellung von Texten und Ausätzen aufzuschließen. Der spätere Kanzler Guttenberg hat bereits hier sein wohltuendes Wirken über Deutschland gebraucht.
Guttenborgen wird im allgemeine regelmässig konjugiert: Ich guttenborge, du guttenborgst, er guttenborgt, … Nur altmodische Grammatiker bestehen noch auf unregelmässige Konjugation mit Wechsel des Verbstamms: Ich interpretiere, du paraphrasierst, er klaut.
Brutale Mitarbeiterinnen
3. November 2010

Nach Spiegel Online.