Kirche = Garage?
29. März 2008
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht!
– Albert Schweitzer
Bild der Wissenschaft: Warum Glaube nützt
22. März 2008
Das Bild der Wissenschaft Februar Heft 2007 hat als Leitartikel/-thema: „Evolutionsforscher entdecken: Warum Glaube nützt“
Drei Artikel machen das Thema aus (meine Zusammenfassung, teilweise zititert):
- Lohnender Luxus
Religion und Religiosität sind ja eigentlich ein unglaublicher Luxus – wie konnte es sich eine Steinzeitgesellschaft leisten, Zeit für Rituale von der Nahrungssuche abzuknapsen und einen Priester durchzufüttern? Wieso hat man den Aufwand für Stonehenge gebaut?
Eine mögliche Erklärung ist, dass Religion ein Mittel für Gruppenzusammenhalt ist. Und bei der Partnerauswahl hilft.
Dabei scheint es für Spiritualität (nicht Religiosität bzw. die Wahl der Religion) eine genetische Komponente zu geben – was sich wohl durch den Einfluß auf die Partnerwahl erklären lässt. Das Schlagwort vom „Gottes-Gen“ macht schon die Runde. Zudem ist Anzahl Kinder und Gebetshäufigkeit wohl positiv korreliert (NICHT kausual – Kinder und Klapperstorch ist auch positiv korreliert!).
Für das Partnerwahl-Argument spricht auch noch folgendes: Bei vielen Tieren sind sekundäre Geschlechtsmerkmale für das Männchen oft mit Nachteilen verbunden (Pfauenschwanz o.ä.) und locken trotzdem Weibchen an – „seht her, ich bin so fit, ich komme damit klar“. In diesem Sinne könnte Religion wie der Pfauenschwanz ein Nachteil sein, der Fitness demonstrieren soll – „seht her, ich bin religiös und überlebe dennoch, so fit bin ich“. Und damit wiederum Weibchen anlocken. - Schutz vor Schmarotzern
Ein anderer Aspekt, warum eine Religion ihren Anhängern Nachteile aufbürden muss, hat mit der Funktion der Religion als Gruppenzusammenhalt zu tun. Letztlich geht es um den Schutz vor Schmarotzern (free-riding) bei reziprokem Altruismus. Da – in komplexen Gesellschaften – Kooperation für alle Vorteile bringt, ist er auch egoistisch sinnvoll. Allerdings muss man Schmarotzer ausschließen („tragedy of the commons“).
Durch Religion wird die Gruppenzugehörigkeit dadurch kodiert, dass der Einzelne ein „teures Signal“ (z.B. zwei Stunden täglich öffentlich beten) aussenden muss, was ein Schmarotzen unattraktiv macht. Im Sinne der Gruppe eine einfache und effektive Massnahme. - Fromme sind nicht besser
Aber das entscheidende Argument, das von religiösen Menschen FÜR Religion angeführt wird, ist: Religiöse Menschen sind bessere Menschen!
Eine starke Behauptung – wie überprüft man das? Durch Tests! - Ein Beispiel: Man nehme Schüler eines Priesterseminars, sagen denen, sie sollen im Nachbarhaus einen Vortrag über Barmherzigkeit halten, und setze einen offenkundig hilfsbrdürftigen, in einer Notlage befindlichen Menschen an den Strassenrand. Was macht ein guter religiöser Mensch? Er hilft und pfeift auf den Vortrag. Oder?
Falsch! Bei Leibe nicht alle haben geholfen (nur 16 von 40). Tatsächlich gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied mit Kontrollgruppen! - Anderes Beispiel: Religion führt doch zu besseren Menschen. Dann sollten doch in den Gefängnissen anteilig weniger religiöse Menschen sitzen, oder?
Falsch! die überwiegende Mehrheit der Insassen in amerikanischen Gefängnissen reklamiert für sich eine starke Nähe zu Gott; weniger als ein Prozent bezeichnet sich als Atheist!
Ergo: Wenn der Start gesetzestreue Bürger will, muss der Religionsunterricht abgeschafft werden!
- Weiteres Beispiel: 60% der Toten durch Terroranschläge in den 90er Jahren (VOR dem 11. September) gingen auf das Konto religiöser Attentäter. ALLE Anschläge mit mehr als acht Toten gehen auf das Konto der Religion.
- Und das mit den Vorurteilen: Religiosität und Vorteil sind stark korreliert. Typisches Beispiel ist die Einstellung zur Homosexualität. Je ernster Religion genommen wird, desto intoleranter. (Was mich gar nicht überrascht; Religion muss das zwangsläufig zur Folge haben, wenn man sich die ersten beiden Artikel anschaut! Vorurteil = Gruppenausgrenzung!)
Die Konsequenz daraus:
- Religion mag eine evolutionäre Rolle gehabt haben. Daraus folgt natürlich nicht, dass irgendetwas davon WAHR ist.
- Viele der sozialen Funktionen von Religion sind heute nicht mehr nötig. Warum plagen wir uns dann trotzdem noch mit Religion? Weil Religion ein egoistisches Mem ist.
- Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Religiöse Menschen sind deutlich gefährlicher als nicht-religiöse! Alles andere ist pure Propaganda! (Und es steckt eine unglaublich mächtige Propagandamaschine hinter der Religion!)
Nebenbei: Die katastrophalen Auswirkungen von Religion sieht man auch schon in sehr kleinen Gesellschaften, wie zum Beispiel den Osterinseln. Die dortige ökologische Katastrophe ist letztlich auf den Bau von Götzenstatuen zurückzuführen, die die dortigen Ressourcen (insbesondere: Baumbestand, der zwecks Bau abgeholzt wurde) nicht tragen konnten.
Buch: Keine Posaunen vor Jericho
22. März 2008
I. Finkelstein, N. A. Silberman, Keine Posaunen vor Jericho – Die archäologische Wahrheit über die Bibel, dtv, 2004, 3. Auflage.
Sehr spannendes, sehr detailreiches (für den Nichtfachmann schon fast zu detailiertes) Buch. Befasst sich insbesondere mit dem Pentateuch und vergleicht die historischen Aussagen darin mit archäologischen Befunden. Im wesentlichen kommt heraus, dass
- Bibel, Tora, Pentateuch NICHT mit den tatsächlichen Sachverhalten übereinstimmen
- der Text des alten Testaments aber ganz ausgezeichnet als Propagandaschrift des Südreiches erklärt werden kann, die zur religiögen und politischen Abgrenzung gegen das Nordreich diente – mit dieser Lesart passen alle Fakten zusammen
Hessen ohne Wolff
22. März 2008
Die hessische Landtagswahl 2008 hat wenigstens ein Gutes: Karin Wolff, bisherige hessische Kultusministerin, scheidet aus dem Kabinett Roland Kochs aus.
Karin Wolff war insbesondere durch ihre Forderungen hervorgetreten, im Biologieunterricht den biblischen Schöpfungsbericht als gleichberechtigte, wissenschaftliche Hypothese neben der Evolutionstheorie zu unterrichten.
Frau Wolff hat damit vor allem ihr grundlegendes Unterverständnis über Hypothesenbildung, Überprüfung und Geltungsrang offenbart. Oder ihr eigentliches politisches Ziel, die Überwindung der Wissenschaft und deren Ablösung durch Mystik und Aberglauben?
Beruf Priester
22. März 2008
Wann gab es zum ersten Mal einen Priester?
Als erstmals ein Spitzbube auf einen Dummkopf traf.
– Anonymous
Hexen heute!
4. März 2008
In Saudi-Arabien wurde heute (4.3.2008, laut WDR 3) eine Frau als Hexe zum Tode verurteilt (und vermutlich auch hingerichtet).
Überführender Beweis: Der sie beschuldigende Nachbar leidet unter Potenzstörungen.
Praktisch, oder?
Religion = Werte?
4. März 2008
In einem Radiobeitrag (WDR 3, 5.3.2008): „Die Rückkehrung der Religion ist beschlossene Sache. Selbst säkulare Menschen bedauern das Fehlen verbindlicher Werte.“
Eine der widerwärtigsten und gedankenlosesten Äusserungen, die man sich vorstellen kann. Welche Frechheit besitzen eigentlich Leute, nicht-religiösen Menschen (so wie mir) Werte abzusprechen? Welche Arroganz erlaubt sich eigentlich, nur nicht-säkulare Werte als „richtige“ Werte anzuerkennen?
Das Schöne am religiösen ist natürlich, dass man nicht argumentieren muss sondern einfach behaupten kann. Macht natürlich alles recht bequem.
zu weit gegangene Aufklärung vs. Spiritualität
3. März 2008
In einem Radio-Interview (3. März, WDR 3) erzählt Sabine Doering-Manteuffel (anlässlich Ihres neuen Buches) zu Aufklärung vs. Spiritualität. Angeblich seien die Aufklärer zu weit gegangen und hätten dadurch Menschen in die Arme der Spiritualität, des Okkultismus, etc.
Das mag ja sein, dass dies die physiologische Erklärung ist. Aber bei Frau Manteuffel klang das eher wie ein Vorwurf an „die Aufklärer“ – „zu weit gegangen“ als Formulierung. Tatsächlich haben die Aufklärer versagt und sind nicht weit gegangen.
Andererseits gibt es natürlich auch klare kommerzielle (u.ä.) Interessen daran, Menschen einen Wunsch zu Spiritualität mit allen Kräften einzureden. Kirchen z.B. leben ja schließlich davon.
Menschentypen
1. März 2008
Es gibt gute Menschen, die Gutes tun. Es gibt böse Menschen, die Böses tun.
Aber um gute Menschen dazu zu bringen, Böses zu tun, braucht es schon Religion.
– Anonymous