Schöpfer = Tischler?
22. Mai 2008
Warum glauben eigentlich so viele Leute einen Schöpfer?
Ein populärer Denkansatz: Kinder sehen nie etwas entstehen, ohne dass der Erschaffer da ist. Ein Tisch wird durch einen Tischler gemacht. Und dann muss es für sowas großes wie das Universum doch auch jemanden geben, der das gemacht hat. In Ermangelung eines klaren Konzeptes sagen wir halt mal Gott dazu. Und als Erwachsener denkt man ohnehin nicht mehr darüber nach; das hat sich eingegraben.
Aber: Das mag in einer handwerklich bestimmten Gesellschaft ja eine unmittelbare Erfahrung für Kinder gewesen sein. Heute ist das aber doch nicht so – kaum ein Kind sieht doch noch einen tatsächlichen handwerklichen Akt. Es gibt keinen Tischler; Tisch bilden sich spontan bei IKEA et al. Vielleicht ist ja hier etwas Hoffnung, dass eine einfache mentale Gleichsetzung von Objekt mit Erschaffer aufhört.
Der Exorzismus lebt!
22. Mai 2008
Zitat einer Meldung des WDR:
Das Erzbistum Paderborn hat eingeräumt, mehrere Teufelsaustreibungen genehmigt zu haben. Im WDR-Hörfunk sagte ein Bistumssprecher, in den vergangenen Jahren hätten Paderborner Erzbischöfe in Einzelfällen Exorzisten beauftragt. Einen eigens bestellten Exorzisten gebe es nicht. Man wisse auch von ungenehmigten Teufelsaustreibungen im Erzbistum. Nach Darstellung der deutschen Bischofskonferenz wird Exorzismus in Deutschland seit 30 Jahren offiziell nicht mehr praktiziert.
Stand: 19.05.2008 06:27 Uhr
Was für eine verlogene Bande! Hoffentlich ist nicht wieder wie bei der (hoffentlich) letzten Teufelsaustreibung in Bayern das Opfer der Kirche gestorben!
Die Religion frisst ihre Kinder
7. Mai 2008
Tot für Gotteslästerung
24. April 2008
Süddeutsche Zeitung, 23. April 2008
In Saudi-Arabien wurde ein Mann zum Tode verurteilt, der in einem Wutanfall Allah und den Propheten verflucht hatte. Das Verfahren geht in die Berufung, es ist aber von einer Bestätigung und Vollstreckung des Urteils auszugehen.
Fluch sei einem Propheten und einer Religion, die solche Auswüchse zeigt! (HIER kann man das schreiben!) Und damit sich niemand schöntut, das Christentum ist/wahr da auch nicht viel anders.
Aber man muss es Religionen schon lassen: Kaum eine andere Doktrin hat es geschafft, ihre Gegner ganz offiziell umbringen zu lassen. Mafia u.ä. müssen wenigstens offiziell vorsichtig bei Mord sein; Religionen dürfen ganz legal morden.
Papst will bessere Welt!
24. April 2008
Schlagzeile der „Westfälischen Volkszeitung“ vom Samstag, 19.4.2008, anlässlich des Besuches von Herrn Ratzinger in den USA:
Papst fordert bessere Welt!
Das ist ja eine verblüffende Einsicht und steht – augenscheinlich – im starken Kontrast zu allen Forderungen der Päpste vor ihm.
Aber eigentlich ist das doch die Haltung jedes anständigen Menschen – aber bei nem Papst ist das ja schon eine Schlagzeile wert. Müssen ja komische Äusserungen der alten Päpste gewesen sein.
Katholisches Selbstverständnis?
10. April 2008
Aus einer Beschreibung einer Online-Gruppe „Vatikan“:
„…Wie der Papst weltweit deutlich macht, gilt gerade der Grundsatz, dass das sinnvolle Selberdenken, ausmacht, römisch-katholisch zu sein – und nicht wie so oft falsch dargestellt, intolerant und bevormundet sei.
Ebenso gibt es auch keine Diskussion über das Amts- und Kirchenverständnis. Intelligente, belesene und aus dem Glauben lebende Menschen wissen um die Legitimation des Absolutheitsanspruches. …“
Bin ich der einzige, der den Widerspruch zwischen dem ersten und zweiten/dritten Satz nicht versteht? Wenn „sinnvolles Selberdenken“ das römisch-katholisch sein ausmacht, wieso kann es dann keine Diskussion um den Rest geben?
Das ist doch lächerlich!
Bilder des Glaubens
9. April 2008
Bildgebende Verfahren (insbesondere Magnetresonanztomographie MRT) angewendet bei einem Menschen in religiöser Ekstase – sieht man dann die Seele, oder gar Gott?
Dieser Versuch wurde von einigen Neurowissenschaftlern der Universität Montreal unternommen (insbes. Mario Beauregard). Ein paar mehr Details zum Beispiel hier: http://www.innovations-report.de/html/berichte/studien/bericht-69760.html
Und augenscheinlich ist es tatsächlich möglich, Hirnregionen für religiöse Empfindungen zu identifzieren.
Das mag sein – aber was folgt daraus? Dass es ein Seele gibt? Natürlich nicht – lediglich dass das menschliche Gehirn eine solche Funktion entwickelt hat. Dies wäre ja sehr schön im Einklang mit der Überlegung, dass Religiosität in der Menschheitsentwicklung ein Selektionsvorteil war (siehe andere Artikel hier). Alles andere ist durch die Tatsache einer solchen Beobachtung überhaupt nicht gestützt.
Das Buch ist hier zu finden: http://www.amazon.com/Spiritual-Brain-Neuroscientists-Case-Existence/dp/0060858834
Gelesen habe ich es bisher nicht; mal schaun…
Kirche = Garage?
29. März 2008
Wer glaubt, ein Christ zu sein, weil er die Kirche besucht, irrt sich. Man wird ja auch kein Auto, wenn man in eine Garage geht!
– Albert Schweitzer
Bild der Wissenschaft: Warum Glaube nützt
22. März 2008
Das Bild der Wissenschaft Februar Heft 2007 hat als Leitartikel/-thema: „Evolutionsforscher entdecken: Warum Glaube nützt“
Drei Artikel machen das Thema aus (meine Zusammenfassung, teilweise zititert):
- Lohnender Luxus
Religion und Religiosität sind ja eigentlich ein unglaublicher Luxus – wie konnte es sich eine Steinzeitgesellschaft leisten, Zeit für Rituale von der Nahrungssuche abzuknapsen und einen Priester durchzufüttern? Wieso hat man den Aufwand für Stonehenge gebaut?
Eine mögliche Erklärung ist, dass Religion ein Mittel für Gruppenzusammenhalt ist. Und bei der Partnerauswahl hilft.
Dabei scheint es für Spiritualität (nicht Religiosität bzw. die Wahl der Religion) eine genetische Komponente zu geben – was sich wohl durch den Einfluß auf die Partnerwahl erklären lässt. Das Schlagwort vom „Gottes-Gen“ macht schon die Runde. Zudem ist Anzahl Kinder und Gebetshäufigkeit wohl positiv korreliert (NICHT kausual – Kinder und Klapperstorch ist auch positiv korreliert!).
Für das Partnerwahl-Argument spricht auch noch folgendes: Bei vielen Tieren sind sekundäre Geschlechtsmerkmale für das Männchen oft mit Nachteilen verbunden (Pfauenschwanz o.ä.) und locken trotzdem Weibchen an – „seht her, ich bin so fit, ich komme damit klar“. In diesem Sinne könnte Religion wie der Pfauenschwanz ein Nachteil sein, der Fitness demonstrieren soll – „seht her, ich bin religiös und überlebe dennoch, so fit bin ich“. Und damit wiederum Weibchen anlocken. - Schutz vor Schmarotzern
Ein anderer Aspekt, warum eine Religion ihren Anhängern Nachteile aufbürden muss, hat mit der Funktion der Religion als Gruppenzusammenhalt zu tun. Letztlich geht es um den Schutz vor Schmarotzern (free-riding) bei reziprokem Altruismus. Da – in komplexen Gesellschaften – Kooperation für alle Vorteile bringt, ist er auch egoistisch sinnvoll. Allerdings muss man Schmarotzer ausschließen („tragedy of the commons“).
Durch Religion wird die Gruppenzugehörigkeit dadurch kodiert, dass der Einzelne ein „teures Signal“ (z.B. zwei Stunden täglich öffentlich beten) aussenden muss, was ein Schmarotzen unattraktiv macht. Im Sinne der Gruppe eine einfache und effektive Massnahme. - Fromme sind nicht besser
Aber das entscheidende Argument, das von religiösen Menschen FÜR Religion angeführt wird, ist: Religiöse Menschen sind bessere Menschen!
Eine starke Behauptung – wie überprüft man das? Durch Tests! - Ein Beispiel: Man nehme Schüler eines Priesterseminars, sagen denen, sie sollen im Nachbarhaus einen Vortrag über Barmherzigkeit halten, und setze einen offenkundig hilfsbrdürftigen, in einer Notlage befindlichen Menschen an den Strassenrand. Was macht ein guter religiöser Mensch? Er hilft und pfeift auf den Vortrag. Oder?
Falsch! Bei Leibe nicht alle haben geholfen (nur 16 von 40). Tatsächlich gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied mit Kontrollgruppen! - Anderes Beispiel: Religion führt doch zu besseren Menschen. Dann sollten doch in den Gefängnissen anteilig weniger religiöse Menschen sitzen, oder?
Falsch! die überwiegende Mehrheit der Insassen in amerikanischen Gefängnissen reklamiert für sich eine starke Nähe zu Gott; weniger als ein Prozent bezeichnet sich als Atheist!
Ergo: Wenn der Start gesetzestreue Bürger will, muss der Religionsunterricht abgeschafft werden!
- Weiteres Beispiel: 60% der Toten durch Terroranschläge in den 90er Jahren (VOR dem 11. September) gingen auf das Konto religiöser Attentäter. ALLE Anschläge mit mehr als acht Toten gehen auf das Konto der Religion.
- Und das mit den Vorurteilen: Religiosität und Vorteil sind stark korreliert. Typisches Beispiel ist die Einstellung zur Homosexualität. Je ernster Religion genommen wird, desto intoleranter. (Was mich gar nicht überrascht; Religion muss das zwangsläufig zur Folge haben, wenn man sich die ersten beiden Artikel anschaut! Vorurteil = Gruppenausgrenzung!)
Die Konsequenz daraus:
- Religion mag eine evolutionäre Rolle gehabt haben. Daraus folgt natürlich nicht, dass irgendetwas davon WAHR ist.
- Viele der sozialen Funktionen von Religion sind heute nicht mehr nötig. Warum plagen wir uns dann trotzdem noch mit Religion? Weil Religion ein egoistisches Mem ist.
- Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Religiöse Menschen sind deutlich gefährlicher als nicht-religiöse! Alles andere ist pure Propaganda! (Und es steckt eine unglaublich mächtige Propagandamaschine hinter der Religion!)
Nebenbei: Die katastrophalen Auswirkungen von Religion sieht man auch schon in sehr kleinen Gesellschaften, wie zum Beispiel den Osterinseln. Die dortige ökologische Katastrophe ist letztlich auf den Bau von Götzenstatuen zurückzuführen, die die dortigen Ressourcen (insbesondere: Baumbestand, der zwecks Bau abgeholzt wurde) nicht tragen konnten.
Buch: Keine Posaunen vor Jericho
22. März 2008
I. Finkelstein, N. A. Silberman, Keine Posaunen vor Jericho – Die archäologische Wahrheit über die Bibel, dtv, 2004, 3. Auflage.
Sehr spannendes, sehr detailreiches (für den Nichtfachmann schon fast zu detailiertes) Buch. Befasst sich insbesondere mit dem Pentateuch und vergleicht die historischen Aussagen darin mit archäologischen Befunden. Im wesentlichen kommt heraus, dass
- Bibel, Tora, Pentateuch NICHT mit den tatsächlichen Sachverhalten übereinstimmen
- der Text des alten Testaments aber ganz ausgezeichnet als Propagandaschrift des Südreiches erklärt werden kann, die zur religiögen und politischen Abgrenzung gegen das Nordreich diente – mit dieser Lesart passen alle Fakten zusammen